Verrücktes Blut

2012

von Nurkan Erpulat & Jens Hillje
Frei nach dem Film „La Journée de la Jupe“ von  Jean-Paul Lilienfeld

ÖEA
Eine Produktion von new space company  in Kooperation mit GARAGE X

Schauplatz Klassenzimmer. Projekttag Friedrich Schiller. Sonia Kelich, hoch motiviert und mit Reclam-Heften unter dem Arm, bemüht sich ihren Schülern Schillers idealistische Vorstellung vom klassischen deutschen Theater zu vermitteln. Doch Bastian, Hakim und Musa randalieren und boykottieren den Unterricht. Da fällt plötzlich in einem Gerangel eine Pistole aus Musas Tasche. Sonia Kelich nimmt kurz entschlossen die Waffe an sich, zwingt die Schüler mit vorgehaltener Pistole, “Räuber” und “Kabale und Liebe” zu spielen und versucht so, die Ideale der Aufklärung zu vermitteln. Mit dieser Geiselnahme beginnt nicht nur ein abgründiger Tanz der Genres vom Thriller über die Komödie zum Melodrama, sondern auch die spielfreudige und provokante Dekonstruktion aller vermeintlich klaren Rollen und Identitäten. Die aberwitzige Situation entlarvt aberwitzige gesellschaftliche Positionen der Migrationsdebatte.

 

Mit
Paul Brusa/Alireza Bayram · Oktay Günes · Karin Yoko Jochum · Nancy Mensah-Offei · Mustafa Kara · Benjamin Muth · Khaled Sharaf El Din/Patrick Bongola · Sandra Selimovic

Regie und Raumkonzept Volker Schmidt
Kostüm  Julia Eisenburger
Musikalische Leitung Ossy Pardeller
Regieassistenz Mirjam Erdem/Barbara Schenter
Kostümassistenz Sarah Damovsky
Produktion Alexandra Hutter

Presse
“Der schillernde Text, mit dessen Erstaufführung die Wiener Garage X ihre Reihe Pimp my Integration fortsetzte, ist ein echter Anti-Sarrazin. Er macht Schluss mit einer Reihe von Dominanzvorstellungen, wie sie hier-, aber auch andernorts durch leitkulturell verseuchte Gehirne spuken. (…) Die Frau Lehrerin durchläuft in Volker Schmidts feiner Inszenierung ihrerseits ein pädagogisches Programm: Sie muss um die Zustimmung der Schutzbefohlenen, denen sie die Knarre vor die Nase hält, auch leidenschaftlich werben. Selbstgewissheit paart sich mit dem Jammer der Überforderung: Jochum schafft als schießwütige Frau Professor Kelich einen hinreißenden Spagat.”  – Der Standard

“Diese Inszenierung ist mehr als ein Stück zur “Sarrazin-Debatte”, mehr als ein Stück über Xenophobie oder das vermeintliche Machogehabe von Migrantenkinder. Es zeigt, dass wir eigentlich schon viel weiter sind. Sein müssten. (…) Es ist erstaunlich, mit wie wenig Aufwand wie viel an aktueller Problematik in knapp zwei Stunden thematisiert werden kann. Die ganze Zeit sieht man als Bühne das gleiche dröge Klassenzimmer. Mehr braucht Regisseur Volker Schmidt nicht.”  – Nachtkritik

“Regisseur Schmidt (…) dekonstruiert lustvoll vermeintlich klare Identitäten.” – Kurier

“Volker Schmidt hat eine eigene für Wien passendere Typologie und Sprache gefunden, und das Stück auf sein hervorragendes Ensemble zugeschnitten.” - Ö1

Das Berliner Erfolgsstück ist nun auch in Wien gelandet – und funktioniert auch hier ausgezeichnet. - Falter